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Monat: Juli 2010

Josef Heller: Ein Nachruf

Josef Heller
Josef Heller

Am vorletzten Donnerstag bakam ich eine Karte eines früheren Schwarms von mir: Die Geburts­anzeige ihres ersten Kindes. Am Abend erhielt ich die Nach­richt, Dädi sei verstorben.

Ein Kreis schliesst sich.

Dädi war ein einfacher, bescheidener Mann, ein Bastler, „en Chlütteri“, „en Chrampfer“. Kaum etwas ging kaputt, ohne dass er es nicht reparie­ren konnte – ja musste. Für uns, seine Kinder, ist das phantastisch: Seinen Drang, Funktionswei­sen auf den Grund zu ge­hen, zu tüfteln, zu opti­mieren übertrug er quasi verlust­frei auf uns. Und: Selber machen macht mehr Spass und ist billi­ger – so sind wir alle kleine Mechaniker ge­worden. Und Maler, Schreiner, Stro­mer, und weiss der Kuckuck was alles noch – eben Bast­ler, „Chlütteris“.

Ein Kreis schliesst sich.

Aber das Ganze würde nicht gehen ohne eine entscheidende Eigenschaft: Der Wille, zu verste­hen, das ewige Bedürf­nis, zu lernen. Dädi wurde nie müde, die Welt zu erklären. Mit uns in Kies­gruben Steinbrecher und Bagger zu besteigen, um die ständigen „wie geht das?“ und warum’s geduldig zu ertragen. Mit uns Bäche mit Stau­dämmen zu verzieren, um uns ein Gefühl für Druck zu geben. Baustellen von Autobahn­brücken un­sicher zu ma­chen, wenn er uns Knöpfen die Statik zu erklären versuchte.

Beim zerlegen und vor Allem zusam­mensetzen revidierter Velos und Töfflis stand er immer mit Rat und Tat zur Seite. Es gibt keine Dichtungen mehr für die­sen alten Töfflimotor? Kein Pro­b­lem: Hier, Dichtungspapier und Messer zum aus­schneiden, Stahlkugeln, um die Schraubenlö­cher zu stanzen.

Ein defektes Auto war seine Materie, und wenn es nicht defekt war, gab es im­mer sonst was am Vergaser zu schrauben oder Bremsen zu entlüf­ten.

Für uns ist es zum eigentli­chen Spass im Leben geworden, die Welt zu erforschen  – und Ant­worten einfach nach zu plap­pern zum absoluten Graus. Nicht nur sel­ber „chlüt­tere“ war bei Dädi ständig an­gesagt – auch selber denken. Für mich persönlich sein wertvollstes Geschenk, das er uns machen konnte!

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