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Schlagwort: Kinder

Richard David Precht: Adieu Fakten? (DAI Heidelberg)

Meinung und Bildung in der postfaktischen Gesellschaft

Meinung und Bildung in der postfaktischen Gesellschaft

Antworten zu den wichtigsten Fragen zu einer Gesellschaft von morgen. Beeindruckend finde ich die klare, kompetente Darstellung von Komplexitäten, ohne sie mit unnötigem Ballast zu durchtränken. Der Gute hat seine Sachen wirklich gut durchdacht. Immerhin 1009 Likes in drei Jahren für ein e=mc2 der Kulturevolution: Besser kann man die Sachverhalte nicht mehr kommunizieren. Höchstens anders.

Beschrieb von YouTube:
Die Bedeutung von Fakten in Politik und Gesellschaft steht auf dem Prüfstand. Gegenüber emotionaler Meinungsbildung sowie Inszenierungen von Ereignissen erscheint das faktische Überprüfen auf dem Rückzug. Mindestens der Wahlkampf von Donald Trump ist hierfür ein schillerndes Beispiel.
Richard David Precht hält der Gesellschaft hinsichtlich Wissen und Bildung immer wieder den Spiegel vor. Was hält er von der «postfaktischen Gesellschaft»? Gibt es Chancen für eine Revitalisierung faktischer Argumentation oder wird die «informative Cloud» nur noch postfaktisch gestaltbar? Adieu Fakten?
Moderation und Gespräch: Adrian Gillmann (DAI)

Ein paar transkriptionen aus dem Gespräch

  • «Eine zentrale Aufgabe der Schule müsste sein, Kindern die Fähigkeit zu vermitteln, ihre Sammlung zu bewahren – die Fähigkeit, sich die Neugierde nicht gleich wieder klauen und auf irgend ein totes Gleis, an dessen Ende ein Produkt steht, abgleiten zu lassen.»
  • «In einer Welt, für deren Menschen die ersten 15 Minuten von «Spiel mir das Lied vom Tod» so langweilig sind wie ein Testbild – wie will man für Menschen, die sich diese Reizüberflutung als tägliches Konsumbedürfnis erfüllen, in der Politik noch feine, differenzierte Töne anschlagen? Kein Wunder, dass Politik den gleichen dramaturgischen Mustern folgt, um mit Übersensationistischen Behauptungen die Leute bei der Stange zu halten.»
  • «Könnte man nicht die Grenze zwischen Schule und Leben aufheben?»
  • «Wer etwas erbauen will, sucht Ziele. Wer etwas verhindern will, sucht Gründe.»
Published inEconomyPoliticsSocietyThink!

Die Liebe der Eltern ist der Albtraum der Kinder

Wie sollen Kinder lernen, was sie lernen müssten — wenn sie erst dürfen, wie sie wollen und danach plötzlich müssen, was sie nicht können?

Will heissen: Erst sind sie aller Lieblinge und kriegen jede Aufmerksamkeit, bloss keine Grenzen. Danach haben alle anderen Schuld, wenn sie sich an nichts halten.

Will meinen: Kinder lernen wie Hunde und Katzen, ihre Meister zu kontrollieren, wenn diese es zulassen. Danach sind dann die Lehrer, der Lehrplan, die Ausländer, die Rektoren, oder die Nase des Schulhausabwartes schuld, wenn alle Grenzen gesprengt werden.

Diagnose der Schulpsychologen
Diagnose der Schulpsychologen (© SonntagsZeitung)

Diese Grafik bringt die unbequeme Wahrheit auf den Punkt. Und statt die beidseitigen Defizite von Kind und Eltern auszugleichen, fordern diese schulische Leistungen ein und gestatten den kleinen erst recht nicht, was sie selbst auch am liebsten tun würden: Rebellieren!

Schätzungsweise kommt der grösste emotionale Unmut der Eltern daher, dass sich die Kinder dies einfach so erlauben: Sich selbst treu zu sein und den Unmut einfach so auszuleben. Die Psyche sucht einen Weg aus der verstockten Situation, die die nicht vorhandene Erziehung verbockt hat. Allem Anschein nach äussert sich dies vor allem in Lern- und Leistungsschwierigkeiten.

Am Ende ist dann der Pädagoge, respektive die Pädagogik schuld, wenn sich das Kind nicht freiwillig in das Gefängnis einsperren lässt, in das sich die Eltern schon lange selbst eingemauert haben. Und dabei depressiv geworden sind. Oder egozentrische [das sollte ich hier nicht schreiben].

Vermutlich ist es unmöglich — wie es heute nötig wäre — eine Lernkultur des Frontalunterrichts und der harten Fakten sanft in eine solche des vernetzen Denkens zu überführen, wie es der Lernplan 21 einfordert. Es bedingt einen Paradigmawechsel vom Initiations- zum Erkenntnisweg. So wie heute mehr oder weniger alle Bereiche einen Paradigmawechsel erfordern, um der Spirale des Niedergangs zu entkommen — allem voran der des mehrwert-, profit- und damit konkurrenzorientierten Wirtschaftens.

Das Problem: Paradigmenwechsel sind nicht kompatibel mit einer Demokratie von konservativ geprägten Menschen. Sie halten zu lange an bekanntem Terrain fest und begreifen die Notwendigkeit zum radikalen Wandel erst, wenn der ‚Tipping Point‘ des Systems schon vorbei ist.

Wenn ich sehe, wie viele Erwachsene und Kinder nur noch mit legalen, synthetischen Drogen funktionstüchtig bleiben — noch Schlaf, Motivation und Konzentration finden, nicht untergehen, dem Drang der Rebellion widerstehen — sehe ich die Grenze zum Bioautomaten vor unseren Füssen.

So sehe ich aber auch in meinem persönlichen Umfeld viele Jugentliche, deren Eltern sich die unbequeme Mühe der Grenzsetzung gemacht haben, als die Kinder noch klein waren. Und heute ein Vertrauensverhältnis zu den jungen Menschen geniessen, so dass Heranwachsen eine partnerschaftliche Angelegenheit ist — und kein Kampf um Recht und Autorität. Dies ist im wörtlichsten Sinne Kleinkind-Kram, bei dem der Schulpsychologe dann nicht mehr viel ausrichten kann ausser Rat schlagen. Oder wohl besser prügeln?

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