Eine Ameise auf dem Finger

Eine Ameise auf dem Finger
Eine Ameise auf dem Finger

Eine Ameise krabbelt einen Ast hoch. Du lässt sie auf deinen Finger steigen, hälst sie vor dein Gesicht, lächelst sie an, sagst hallo, lässt sie eine Runde über den Handrücken drehen und setzt sie am Ende des Astes bei den Blattläusen wieder ab. Was mag die intelligenteste Ameise der Welt wohl denken, was da gerade passiert ist?

Sollte das Universum tatsächlich ein gewaltiger Quantencomputer sein und aus dessen Komplexität heraus ein gewaltiges Bewusstsein beinhalten (nicht „haben“), was werden wir wahrnehmen, wenn wir auf dieses Bewusstseins Finger klettern? Könnten wir verstehen, dass die merkwürdigen Gase und angsteinflössenden Vibrationen die höfliche Form einer Kontaktaufnahme bedeuten? Wir hätten den Tagtraum einer Wanderung durch das bodenbeheizte Land der tausend langen Fühler. Verstünden wir, dass die Dislokation keine teuflische Verführung, vielmehr eine Geste der Freundschaft war? Wären wir fähig, die Intention der Entführung zu erfassen?

Welche Worte habe ich zur Verfügung, die ausreichend beschreiben können, was ich gar nicht verstehen kann? Ist es verwunderlich, dass jeder Mensch, vom universalen Bewusstsein berührt, jene Bilder entwickelt, die seine Biografie vorgeben? Im Kosmos der Linie gibt es keine Flächen – sie bleibt für die Linie auf ewig unergründbar. So werden wir das kosmische Bewusstsein erst dann erkennen, wenn wir selbst dazu geworden sind.

Da müssen wir halt noch etwas üben.

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