Gott ist eine Funktion!

Gott ist eine Funktion!
Wenn’s spukt, ist er gefragt: Der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou ist weltweit führend auf dem Gebiet der Parapsychologie. Egal ob Geister, Spuk, Wahrträume oder Nahtoderlebnisse: Lucadou weiss Rat. Yves Bossart spricht mit dem Geisterjäger über die Wissenschaft des Übersinnlichen.

Geister und Spuk waren gestern – heute kennen wir die Verallgemeinerte Quantentheorie. Also ich noch nicht so ganz, darum warte ich noch ein paar Jahre, bis ich dazu was schreibe.

In der Zwischenzeit erklärt’s der Herr Walter von Lucadou auf eine wunderbare, verständliche Art. Spiritualität ist Wissenschaft, und Esotherik kann man endlich guten Gewissens in die Archivschachtel zu der flachen Erde legen.

Stupide Stupider stupiden Stupidität

Stupide Stupider stupiden Stupidität

Die Prinzipien der menschlichen Dummheit

Dies sind kurzgefasst die fünf fundamentalen Gesetze bzw. Prinzipien der Dummheit, die Carlo M. Cipolla satirisch in seinem Werk Die Prinzipien der menschlichen Dummheit beschreibt:

  1. Stets und unvermeidlich wird die Zahl der im Umlauf befindlichen dummen Individuen unterschätzt.
  2. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Person dumm ist, besteht unabhängig von jeder anderen Eigenschaft dieser Person. Demzufolge gibt es einen stets gleich hohen Anteil an Dummen in allen gesellschaftlichen Gruppen, sowohl bei Hausmeistern wie bei Universitätsprofessoren.
  3. Ein dummer Mensch ist jemand, der einer anderen Person oder einer Gruppe von Personen Schaden zufügt, ohne selber dabei Gewinn zu erzielen und dabei u. U. sogar zusätzlichen Verlust macht (das sogenannte „goldene Prinzip“).
  4. Menschen, die nicht dumm sind, unterschätzen stets das Gefährlichkeitspotential dummer Menschen. Vor allem vergessen Menschen, die nicht dumm sind, ständig, dass Verhandlungen und/oder Verbindungen mit dummen Personen zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort und in jedem Fall sich unweigerlich als teurer Irrtum herausstellen werden.
  5. Eine dumme Person ist der gefährlichste Typ aller Personen.

Seine Conclusio: Die Dummheit richtet mehr Schaden an als Verbrechen. Denn gegen Verbrecher kann man sich schützen, aber der Dumme handelt vollkommen irrational und unvorhersehbar, und gegen das Unvorhersehbare gibt es keinen Schutz.

Die Klassifizierung menschlicher Dummheit

Ein zweidimensionales Schema, das veranschaulicht, wie man Stupidität klassifizieren kann: Ein Leugner des Klimawandels ist demnach so stupid wie ein Selbstmordattentäter; er schadet der Allgemeinheit wie sich selbst.

Die Gesetzmässigkeiten, nach denen sich die Stupiden richten, sind in diesem Video ansprechend hübsch dargelegt. Nach Dietrich Bonhöffer, der ausreichend Gelegenheit und Zeit hatte, sich mit dem Thema auseinander zu setzten, bis er zwei Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs nach langer Inhaftierung doch noch hingerichtet wurde.

Dietrich Bonhöffer‘s Theory of Stupidity (Sprouts, www.youtube.com/channel/UC-RKpEc4eE9PwJaupN91xYQ)

Die Anwendungsbereiche menschlicher Dummheit

Um Stupidität auf grosser Skala politisch zu verwerten, reichen die nativ Stupiden nicht ganz aus. Banditen lassen sich mit den richtigen Lenkungsmassnamen gut für Machtspiele einspannen, aber Naive, und insbesondere Intelligente, müssen zuerst stupidiziert werden. Die Historie der Kunst, kollektiven Stupidismus herbei zu führen, wird vom Autor des Buches «Dark Persuasion – The History of Brainwashing from Pavlov to Social Media» in folgendem selbst dargestellt.

Joel Dimsdale discusses his latest book “Dark Persuasion: A History of Brainwashing from Pavlov to Social Media,” which traces the evolution of brainwashing from its beginnings in torture and religious conversion into the age of neuroscience and social media. Dimsdale is distinguished professor emeritus in the Department of Psychiatry at UC San Diego.

Im modernen Zeitalter der zielgerichteten Werbung bekommen Machtmenschen feuchte Träume. Facebook ist die moderne Umerziehungsanstalt, wo sich Menschen freiwillig selbst in eine Bubble einweisen. Wer die monetäre Gewalt inne hat, Menschen so zielgerichtet zu lenken, dass sie denken, sie würden selber denken, muss sich nicht mehr am Rednerpult verrenken. Er bleibt grau eminenzarisch hintergründlich, während jüngerlich Stupidierte ohne Punkt und Komma blahppern, als hätten sie noch nie Versalien gesehen.

So kommt es, dass mensch Jesus als humanistisches Ideal verehrt, aber zugleich das Goldene Kalb ausgräbt, weil neun Jahre Schule nicht mehr ausreichen, die Welt rational genügend zu verstehen. Wissen und Glaube werden zu einem undurchdringlichen Brei vermengt, der die Köpfe betonartig aushärten lässt. Am Ende verklärt die Aufklärung wieder zu Glaube. Stupide Stupider stupiden Stupidität – dagegen ist kein Gerät, kein Wiki gewachsen. Das strategische Unterscheiden zwischen Wissen und Annahme klappt nur ausserhalb seiner selbst, seiner Gruppe, seiner Bubble.

Darum habe ich eine Nadel immer im Hosensack. Pieks.

Richard David Precht Vortrag: «Epochenumbruch & fehlende Verantwortung» vom 16.10.2019

Richard David Precht Vortrag: «Epochenumbruch & fehlende Verantwortung» vom 16.10.2019

Wer sich für die Umwälzungen der nahen Zukunft interessiert und eine erleuchtende, epochenübergreifende Reflektion wünscht, muss diesen Vortrag gesehen haben. Ich verspreche, dass nach den aufgeworfenen Fragen die Zukunft anders ausschauen wird.

Für einen kompetenten Kommentar muss ich noch 20 Jahre schlauer werden – eventuell reicht es dann dafür. Da sich der Vortrag mit den nächsten 10, 20 Jahren auseinander setzt, wird der Kommentar dann kein solcher sein, aber ein Händeklatschen oder Bashing. Ich tippe mal auf ersteres.

So, here we go, nehmt’s sportlich:

Richard David Precht Vortrag: Epochenumbruch & fehlende Verantwortung vom 16.10.2019

Falls das Video auf YouTube aus irgend einem Grund nicht mehr verfügbar sein wird – was ja öfters vorkommt, aus welchen Gründen auch immer – habe ich es mir, pssst, gesaugt und auf meinen Webspace hoch geladen; als Zukunftssicherung. Hier (Audio ist eventuell etwas leise):

https://www.samuelheller.ch/?attachment_id=2903

Mehr als 220 Aktivisten sind 2020 im Kampf für die Natur gestorben

Mehr als 220 Aktivisten sind 2020 im Kampf für die Natur gestorben

Pro Woche VIER ermordete Aktivisten einer besseren Welt:
www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/studie-von-ngo-global-witness-mehr-als-220-aktivisten-sind-2020-im-kampf-fuer-die-natur-gestorben/27607154.html

Wer von euch hätte die Courage, seine und die Sicherheit seiner Familie für das «Grosse Werk» zu riskieren?

Das Risiko einzugehen, für ein paar km2 verteidigter Biosphäre erschossen zu werden? Möchtest Du durch Gewalt der Mafiaschläger sterben oder durch das vergiftete Wasser der Goldmiene nebenan?

Na? Am Rande der Wohlfühlzohne angekommen? Vor Schreck den Wattekokon voll gemacht? Ja, auch wir hier sitzen in der eigenen Scheisse — leider nur in der moralischen, während diese tapferen Menschen und ihre Familien die reelle Scheisse des Lebens durchwaten.

RESPEKT.

Aber zurück zum Alltag: Ärgern wir uns lieber über Zertifikate, bis Jeff Bezos die Unsterblichkeit erfunden hat; die sich sowieso niemand wird leisten können. Ausser seinesgleichen — Mitwelt-Aktivisten wahrscheinlich ja eher nicht. Und was hat man schon von einer Pille, gegen eine Kugel.

Kreiere eine selbstlernende Kreatur!

Kreiere eine selbstlernende Kreatur!

Nun ja, ein Spiel ist es ja nicht wirklich, aber eine Simulation. Wie ich sie liebe!
Zwölf Gelenke, ein paar Knochen, drei Muskeln, etwas Unity-Engine und Code:

Ein paar Gelenke, ein paar Knochen, ein paar Muskeln: Evolution
Ein paar Gelenke, ein paar Knochen, ein paar Muskeln: Evolution

Eine Bewegungsstudie «Mein Name ist Hase». Nach rund 150 Evolutionsstufen hoppelte mir das Ding 40 Meter in zehn Sekunden in einem flüssigen Hoppelgang. Es ist wirklich berührend, seinen Kindern beim Laufen lernen zuzuschauen. Bewegungsevolution als Idle-Game.

Den Spass gibt’s hier für im Browser oder als Downlaod:
Evolution by Keiwan (itch.io) | Ein paar Beispiel-gifs

Download Version vom 02.09.2020 for Win or Mac.
(Lokal von meiner Seite – zu schade wär’s wenn der User sein Konto mal löscht. Und ich hab‘ dem Programmierer $2 gespendet. In 30 Jahren sollte man das auf einem Quantenkompi mit Nostalgie laufen lassen können. 🙂 )

Köbi und die Fünf-Finger-Verschwörung

Köbi und die Fünf-Finger-Verschwörung
Schuljunge mit Mütze und Ranzen (Leop. Haberland, Eggenfelden)

Dies ist meine erste Kurzgeschickte in Erzählform. Ebenfalls ein Blog aus der Reihe «Wer glaubt, er wisse, muss wissen, dass er glaubt.» Viel Spass. 🙂

Köbi machte eine Faust, vor seinem Gesicht, in der Luft. Dann streckte er seinen Zeigefinger, und sagte laut «Eins». Unbemerkt löste sich dabei der Daumen von der Faust. Er streckte den Mittelfinger, sagte etwas gelangweilt: «Zwei». Mit demonstrativer Bestimmtheit fuhr er weiter: «Und nochmals: Eins! … Zwei!», wobei er erst den Ringfinger, dann seinen kleinen Finger streckte.

«Und nun», fragte der Lehrer, «wie viele Finger hast Du jetzt?» Köbi hielt die Handfläche zu sich, berührte mit dem Zeigefinger der linken Hand die Spitze des rechten, kleinen Fingers, hüpfte dann, so routiniert und zügig wie er zählen konnte, von Fingerspitz zu Fingerspitz. «Eins, zwei, drei, vier, fünf!»
«Das heisst, zwei mal zwei sind fünf?»
Voller vorwitzigem Stolz entgegnete Köbi: «Ja, Herr Matroschka!», und zappelte mit den Füssen.
«Aber Du hast den Daumen mit gezählt?»
«Das macht nichts, der ist ja gar kein Finger.»
«Aber wenn du den Daumen beim rechnen nicht benutzt, darfst zu ihn am Schluss auch nicht abzählen!»
«Doch! Er ist ja da, also muss ich ihn auch mit zählen! Das sagt mir mein Gefühl.»

Herr Matruschka stutzte einen Moment. «Ok, Köbi, rechne mir’s nochmals vor.» Und Köbi machte rechts eine Faust, streckte den Zeigefinger, sagte zügig: «Eins.» Wieder löste sich der Daumen von der Faust. Er streckte den Mittelfinger. «Zwei!.»
«Ok, stopp», sagte Herr Matruschka, «wie viele Finger hast Du jetzt?»
Köbi zählte mit dem linken Zeigefinger ab: «Eins, zwei.»
«Und der Daumen?» – «Der ist kein Finger!»
«Also zählst Du ihn nicht?» – «Nein!»
«Du zählst den gestreckten Daumen nicht, weil er kein Finger ist?»
«Ja, genau! Sonst würde er ja Daumen-Finger heissen!» Köbi dachte kurz nach. «Es gibt den Kleinen Finger, den Ring-Finger, den Mittel-Finger, den Zeige-Finger – und den Daumen. Also kann der kein Finger sein! Das ist nur logisch!» Er streckte seinen Daumen hoch, siegessicher. «Mein Papa hat es gesagt!» Er zappelte mit den Füssen.

Herr Matruschka dachte: «Oh, so einfach wird das hier wohl nicht, auf seine Weise hat der Kleine ja nicht unrecht.» Er atmete durch und liess seinen Blick über die Klasse schweifen. Die Logik schien die ganze Klasse bestochen zu haben – alle Blicke waren fragend auf ihn gerichtet.
«Nun, auf der ganzen Welt sagen die Menschen über sich, sie hätten zehn Finger, aber ihre Wörter dafür sind je nach Sprache anders. In Deutsch sagen wir nur Daumen ohne Finger, weil es eben unserer Sprachkultur entspricht. Nach deiner Logik, Köbi, hätten Menschen gewisser Sprachen gar keine Finger. Die Franzosen zum Beispiel, oder die Italiener hätten, glücklicherweise, nur den einen, nämlich ihren Mittelfinger, den ‚dito medio’» Herr Matruschka hob seine Hand, als wolle er den Mittelfinger in klassischer Weise zeigen, hielt auf halbem Wege inne und liess seine Hand wieder sinken. Die Klasse lachte laut auf, vor allem Giovanni. Er konnte sich offensichtlich kaum beherrschen, seinen zu zeigen, aber der Mut reichte nicht.

Das wisse er nicht, sagte Köbi, als die Klasse verstummte, er könne kein Französisch. Er lebe ja schliesslich hier in der Schweiz, deshalb wäre dies auch gar nicht nötig. «Es geht ja sowieso nur darum, alle Finger gleich zu schalten!», erhob er seine Stimme. «Die wollen doch nur, dass keiner mehr Daumen hat, damit keiner mehr damit nach oben zeigen kann. Das macht die Menschen unglücklich, und damit kann man ihre Gedanken steuern!»
Darauf wollte Herr Matruschka nun nicht vor der Klasse eingehen, und er sagte: «Ich glaube schon, dann Menschen bei uns beeinflusst werden, durch Werbung zum Beispiel – aber nicht auf diese Weise.» Er schaute in die Klasse: «Aber rechnen wir doch weiter» und blickte nickend zu Köbi.

Dieser hielt trotzig wieder seine drei Finger hoch und zählte mit dem linken Zeigefinger, diesmal betont für Dummies: «Eins, und, zwei. Und nochmals, eins, und, nochmals zwei.» – «Und das macht?»
«Eins, zwei, drei, vier, fünf.»
«Und wieso zählst du jetzt dem Daumen mit, obwohl er gar kein Finger ist?»
«Das ist ja eben die Fünf-Finger-Verschwörung! Man darf den Daumen nicht ignorieren, nur weil er kein Finger ist – er ist ja da und gehört schliesslich auch dazu. Also muss man ihn auch zählen, sonst wird man unglücklich!» Seine Füsse zappelten.
«Und wieso hast du den Daumen vorhin nicht mitgezählt?»
Er hielt seine Füsse abrupt still. «Wenn ich zwei Finger hoch halte, dann kann ich doch nicht auf drei zählen! Das wäre doch falsch!»

«Verdammt», dachte Herr Matruschka, «das elende Anthropozän! Alles erodiert.»

© Samuel Heller, 2021

Von Zentimeter-Mären und Zoll-Wahrheiten

Von Zentimeter-Mären und Zoll-Wahrheiten
Dieses Quadraat kann nicht 5 cm gross sein, denn es misst exakt 2 Zoll! Ergo: Längenangaben in cm sind immer falsch!!!
Dieses Quadraat kann nicht 5 cm gross sein, denn es misst exakt 2 Zoll! Ergo: Längenangaben in cm sind immer falsch!!!

Ein weteres Mem zum Thema «alternative Wahrheiten», das die Verständigungsprobleme auf den Punkt bringt.

Das Massstabs-Dilemma

Für über 25 Jahre war ich ein überzeugter Verbreiter «alternative Wahrheiten». Dass wir die Natur in erheblicher Weise vergiften und aus dem Geichgewicht bringen würden und unbegrenztes Wachstum in begrenztem Umfeld ktastrophal enden müsse. Gedeckt wurde meine Ansicht von ominösen, querdenkenden Wissenschaftlern, die für Greenpeace arbeiteten. Oder Philosophen, die nicht nur ausserhalb der Box dachten, sondern diese komplett vergessen hatten. Unsere Mitweltzerstörung ist nun allgemein anerkannter Fakt und ich muss schon erheblich Alarmistik betreiben, um nicht müde weg genickt zu werden.

Woher nehme ich nun die Gewissheit, dass nicht was heutzutage als «alternative Wahrheit» angepriesen wird die Evidenz von morgen ist? … Weil sie eben evident nicht ist. Die geziehlt disruptive Propaganda kann nur in sich selbst funktionieren, indem verborgen suggeriert wird, der Faktor von 2.54 (Zoll/cm; Anmerkung der Redaktion) wäre entweder nicht fix, nicht existent oder konstant anders.

Die Beweisführung ist hier äusserst simpel: Ich eiche zwei Massstäbe, deren Echtheit unzweifelbar ist. Wenn nun der eine Massstab das Verhältnis der Kohlenstoffisotope 12C und 13C in der Atmosphäre, der andere die globale Temperaturentwicklung misst und vergleicht, ist zwangsläufig alles blosser Glaube, dem nicht jahrelanges Studium voraus ging. Ich kann nicht mehr als laienhaft eine teilweise, unscharfe Plausibilität prüfen. Ich praktiziere Glaube.

Datenbasis und Statistik

Glücklicherweise ist es nicht so hoffnungslos. Zwar lassen sich Statistiken tatsächlich auf einfache Weise den eigenen Bedürfnissen abpassen; das gilt aber nicht für Datenbasen. Eine äusserst breite solche wie zum Beispiel die der globalen Luft- und Wassertemperaturmessungen lassen sich nicht so manipulieren, alsdass Algorythmen die Irregularitäten nicht finden könnten. Raffiniertere Fälschungen benötigen schlicht ausgeklügeltere Analysemethoden. Es ist das Selbe wie das Hacken von Passwörtern: Es gibt kein absolut sicheres.

In diesem Zusammenhang ist eine entscheidende Erkenntnis, dass eine Statistik selbst nicht gefälscht sein kann (!), da sie zu einhundert Prozent direkt kausal von der Datenbasis abängt. Eine Statistik kann nur Datenbasen irreführend auswerten und interpretieren – gefälscht wären allenfalls die Daten, auf denen sie beruht. Deren Unregelmässigkeiten zu entlarven ist, wie gesagt, mathematische Fleissarbeit.

So ist es entscheidend zu verstehen, wie Statistiken Grössen bilden und gegenüber stellen und wie sich inkonsistente Daten auswirken, ob nun Datenreihen unzulässig kombiniert oder inkompatible Grössen verglichen werden. Das Wissen über Distanzmessen und Umrechnen derer Masseinheiten ist Grundschulniveau – auch wenn eine NASA-Marssonde genau wegen einer solchen vergessenen Umrechnung von Zoll auf Meter drüben einer Gravitationsinsuffizienz erlag.

Kommunikation findet nur unter gleichen statt

Unsere modernen Probleme, ob chemischer, physikalischer oder sozialer Natur, entziehen sich leider dem Zollstock. Ohne elementares Verständnis der Zusammenhänge von Physik und Chemie lässt sich bei Umweltthemen keine vernünftige Argumentation führen. Ohne grundlegendes Wissen über Funktionen, Wahrscheinlichkeits-Mathematik und Spielthorie ist es nicht möglich, gefühlsfrei abstruse von konsistenten Ableitungen zu unterscheiden. Selbst mit ist es ein Spaziergang in der Schwerelosigkeit – allerdings angeleint, immerhin.

So erwische ich mich immer mehr dabei, dass ich Glaubensthesen «moderner alternativer Wahrheiten» umgehend keine Nahrung mehr biete, dafür mir ein kleines Schnipsel des akuellen Themas heraus picke und anhand dessen einen Anschauungsunterricht versuche, wie man sein eigenes Denken prüfen kann. Konsequenterweise begänne das bei der Erkenntnistheorie – wenn das Gegenüber aber nach 30 Minuten geistig erschöpft ist, lassen sich Argumentationsfundamente nur rudimentär korrigieren.

Es führt nichts an der Erkenntnis vorbei, dass es sinnlos ist, über gemessene Längen zu streiten, wenn jemand sein Zollband für metrisch hält. Kommunikation und Wissen benötigt zum Austausch gemeinsame Definitionen. Geschickt an die Hand genommen lassen sich Grundfeste neu platzieren, wo mit der Zeit irrationale Pfeiler in der Haltlosigkeit enden.

Epilog

Ist es nun überheblich, Menschen so zu betrachten? Wird es überheblich, sobald ich manipulierend wirke? Ich leiste mir als humanistischer Überzeugungstäter hier einen Anstecher ins Alte Testament: Der Zweck heiligt die Mittel. Wer nicht hören will, muss begreifen. Wer mir einen Mist erzählt, fällt selbst auf mich herein. Jede Wahrheit beginnt mit einer kleinen Manipulation. Wer den Zentimeter nicht ehrt, ist den Zoll nicht wert. Lieber die Wahrheit an der Hand als den Bhaupti auf dem Dach. Der erste Schreihals kriegt die Aufmerksamkeit, der zweite thermodynamische Satz hat immer Recht. … Ich hör‘ jetzt auf, bevor’s richtig blöd wird.