Plädoyer für ein radikales Neudenken von Religion

Plädoyer für ein radikales Neudenken von Religion

Interessant: Gott-ist-tot-Theologie, Christsein ohne Religion – habe ich so noch nie gehört.

Ersteres finde ich irreführend, da Gott ja nicht tot, aber auch keine Person ist. Wir haben Gott zur Person gemacht wie Dreiecke ihren Gott mit drei Ecken ausstatten würden. In einer Sphäre ausserhalb des Dualismus kann’s kein Du und Ich, ergo keine Persönlichkeit geben.

www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/gott-neu-denken
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Ja, der Dietrich (Bonhoeffer). Post-erleuchtet merkt man schnell, dass Religion nicht notwendig ist. Aber auch, dass es pre-erleuchtet nur schwer ohne geht. Ein Kerndilemma, dem meine Aufmerksamkeit gilt.

Ebenso das Verbindungs-Dilemma, das auch Buddhisten haben: Wie verbinde ich mich als dualer Mensch mit etwas so flüchtigem Unpersönlichen, wie lehre/lerne ich dessen Essenz? Mit einem weissen, weiten Rock, Wuschelkopf und Riesenbart ausgestattet habe ich einen Über-Grossvater als Gegenüber, in dem ich mich selbst erkennen und mich verbinden kann. Da haben es Freikirchler und ähnliche (Populisten eigentlich, per Definition) sehr einfach – sie müssen nicht zweifeln; oder dürfen nicht, gar. Ich denke, deswegen darf man sich von Allah kein Bild machen – er ist keine Person; er ist das mystische les und Nichts. Aber dann stellen sie halt einfach den Mohammed aufs Podest, nicht wahr.

Das macht alles sehr einfach, aber auch gefährlich. Erleuchtung mit Hilfe von Krücken ist immer manipulierbar, und ohne meist langwierig. Und die Zeit drängt auf der Welt – auch ein Dilemma. Da müssen wir Menschen raus. Daran werden wir scheitern oder überleben. Entweder kann wie in Indien jeder seinen eigenen Gott haben, oder alle Götter sind ein und derselbe. Solange Gruppen ihren eigenen für den einzig Wahren halten, werden wir uns weiter massakrieren.

Nun, was ist das magische Gleichnis? Das perfekte Bild? Die Power-Vibes, wo es jedem nur noch passiert: «Aahhh, soo ist das. Das ist ja alles ganz einfach!! Boahh!»Wenn wir von Menschen möchten, dass sie den genetisch verursachten Nationalismus überwinden, muss das mMn auch für religiösen (geistigen) «Nationalismus» gelten – auch die Grenzen in den Köpfen müssen weg.

Wenn ich das so mal als Wahrheit betrachte: Wem soll ein Commitment gelten, wenn z.B. Menschen mir sagen, ich wäre mehr Christ, mehr Muslim, Buddhist, Hindu wie die meisten Gläubigen – ausser dem mystischen, meta-mässigen „Ich bin, der ICHBIN“? Das zu lernen und zu verstehen finde ich den Hot Shot. Alles andere halte ich für kalten Kaffee von gestern, nicht mehr relevant. Als Beispiel das Judentum: Nach den Ägyptern die wohl hochentwickelteste Mystik seiner Zeit – aber als Lebensschule heute schlicht veraltet. So wie jede personifizierte/verkörperlichte Gottheit. Diese Traditionen sind mit der Moderne, dem Anthropozän, vom Feuer zur Asche geworden.

Schema Metaphysik (Thomas Von Aquin)
Schema Metaphysik (Thomas Von Aquin, de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schema-Metaphysik-Thomas.svg)

Ich prophezeie, dass nach der Abspaltung der Wissenschaft von der Religion vor Jahrhunderten sich bald einmal die Mystik wieder mit der Wissenschaft vermählen wird. Wir sollten diesen Weg ebnen, und keinen anderen. Nun ja, wahrscheinlich ist das zu radikal. Dafür werden wir schätzungsweise noch ein paar Jahrzehnte radikal bluten. Die Gene wollen das, und der Geist ist schwach. Affentanz sag‘ ich nur, bleib mir weg! Hoffen wir, die Artenvielfalt macht’s solange noch mit. Ehrlich gesagt, ohne ein global erleuchtendes Wunder glaube ich das nicht mehr

Die Grossen bereiten sich alle auf Krieg vor, wenn man hinschaut. Die Situation ist der vor dem WW 1 sehr ähnlich. Noch ein paar Jahre Mafiapower durch die Ultrarechten und wir werden mit den neuesten atomaren Artilleriegranaten gesegnet, auf denen die russische Strategie basiert. Die Amis ziehen mit Mini-Nukes nun nach.

Pessimistisch? Tausende Milliarden $ in Form Kriegsgerät bereit zu Einsatz, einen riesen Industriezweig mit perfektem Killerargument, die Menschen in Angst vor der Zukunft versetzt – gegen der Humanisten paar Milliönchen an Werbebudget. Ich schätze zwar die kritische Masse auf etwa einen Drittel: Wenn ein Drittel der Menschen für den Humanismus konsequent aufrecht steht (also wie der Tell, der das Leben seines Sohnes riskierte), wird er nicht mehr aufzuhalten sein.

Dafür ist der Humanisten Philosophie schlicht zu wenig sexy. Es bleib nur das Wunder.

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